Abstandshalter BASIC prebonder
Oberflächenbearbeitung

Zirkonoxid richtig abstrahlen

Von Annett Kieschnick
May 20, 2026 | 8 Minute(n) Lesezeit

Darum gehts:

  • Ein korrektes Abstrahlen von Haftflächen sorgt für optimale Benetzbarkeit mit Primer und Befestigungskomposit.
  • Ein Zusammenspiel vieler Parameter beim Strahlen bestimmen die Qualität der konditionierten Oberfläche.
  • Die Wissenschaft definiert für das Abstrahlen von Zirkonoxid einen optimalen Bereich von 0,6–1 bar, 50 µm Aluminiumoxid und 10 mm Abstand.
  • BASIC prebonder: Das erste validierte System für kontrolliertes Abstrahlen vor adhäsiver Befestigung.

Die adhäsive Befestigung von Restaurationen steht und fällt mit der Oberflächenvorbereitung, dem Abstrahlen. Und ausgerechnet dieser Schritt ist in vielen Praxen bis heute einer der am wenigsten kontrollierten im gesamten Befestigungs-Workflow.   

„Kroneninnenfläche abstrahlen“ – was wie standardisierte Routine klingt, ist in Wahrheit ein hochsensibler physikalischer Prozess. Unterschiedliche Strahlgeräte, schwankende Druckverhältnisse, variierender Arbeitsabstand und nicht definierte Strahlkegel führen dazu, dass identische Einstellungen nicht zwangsläufig identische Ergebnisse erzeugen.

  • Das Problem ist nicht das Strahlen selbst
  • Das Problem ist fehlende Prozesskontrolle

Abstrahlen ist kein Bauchgefühl! Selbst bei identischen Druckeinstellungen können unterschiedliche Geräte zu abweichenden Energieeinträgen führen.

Mit dem BASIC prebonder wurde erstmals ein Feinstrahlgerät für die Zahnarztpraxis entwickelt, das speziell für die klinische Oberflächenkonditionierung konzipiert und wissenschaftlich validiert ist.

Prebonder Test Parameter Strahlen

Warum gerade Zirkonoxid eine besondere Vorbehandlung erfordert?

Im Gegensatz zu Silikatkeramiken enthält Zirkonoxid keine Glasphase und lässt sich daher nicht Anätzen. Die Haftvermittlung erfolgt über eine mikromechanische Retention in Kombination mit funktionellen Monomeren (z. B. MDP) Die Oberflächenrauheit stellt hier jedoch nur einen von mehreren relevanten Einflussfaktoren dar. Entscheidend ist das Zusammenspiel folgender Parameter: Oberflächenenergie (mJ/m²) (Benetzbarkeit), Oberflächenchemie und Rauheit.

Voraussetzung ist eine definierte Oberflächenkonditionierung durch Abstrahlen mit Aluminiumoxid.

Ziel der Konditionierung:

  • Erzeugen einer reproduzierbaren Retentionsstruktur
  • Verbesserung der Benetzbarkeit (Primer, Befestigungsmaterial)
  • Erhalt der mechanischen Kennwerte, insbesondere der Biegefestigkeit

Das Abstrahlen mit Aluminiumoxid reinigt die Oberfläche und verbessert die Benetzbarkeit sowie damit die Haftbedingungen für Primer und Befestigungskomposite.

Prebonder Auswirkung Strahlen auf Benetzbarkeit

Genau hier liegt die Herausforderung. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Parameter.

  • Strahldruck
  • Abstand zwischen Strahlüse und Objekt
  • Strahlkegel und Partikelverteilung
  • Strahlmittel (Partikelgröße und Reinheit)

Das Abstrahlen von Oberflächen vor der Befestigung ist kein rein technischer Handgriff, sondern ein werkstoffkundlich definierter Prozess.

Zirkonoxid sandstrahlen: Welche Parameter sind entscheidend?

Werkstoffkundliche Untersuchungen der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der LMU München beschreiben für das Abstrahlen von Zirkonoxid einen klar definierten Parameterbereich:

  • Druck: 0,6–1,0 bar
  • Partikelgröße: 50 µm Aluminiumoxid (Al₂O₃)
  • Arbeitsabstand: 10 mm zwischen Düse und Objekt

Innerhalb dieses Fensters entsteht eine Oberflächenrauheit, die stabile Haftverbundwerte ermöglicht und gleichzeitig materialschonend wirkt. Das Problem im Praxisalltag: Diese Parameter waren im Praxisalltag bislang kaum zu kontrollieren.

Der unterschätzte Faktor: Energieeintrag und Abstand

Beim Abstrahlen treffen mikroskopisch feine Aluminiumoxid-Partikel mit hoher Geschwindigkeit auf die Oberfläche. Der Energieeintrag pro Fläche hängt dabei nicht nur vom eingestellten Druck ab, sondern maßgeblich vom Abstand zwischen Düse und Objekt.

Die Folgen eines zu geringen Abstands können sein: übermäßige Oberflächenrauheit, mikrostrukturelle Schädigung, potenzielle Reduktion der Biegefestigkeit. Allein der eingestellte Druckbereich ist kein Garant für eine kontrollierte Oberflächenkonditionierung.

Warum klassische Strahlgeräte für die adhäsive Befestigung ungeeignet sein können

Zirkonoxid bzw. Hochleistungskeramiken sind vergleichsweise junge Werkstoffe in der Zahnmedizin. Gleichzeitig hat die adhäsive Befestigung einen Paradigmenwechsel ausgelöst: weg von rein mechanischer Retention, hin zu kontrollierten Haftmechanismen.

Die meisten derzeit verwendeten Strahlgeräte stammen aus zahntechnischen Anwendungskontexten. Sie wurden für universelle Aufgaben wie Materialabtrag, Reinigung oder allgemeine Oberflächenbearbeitung konzipiert – nicht für die Oberflächenkonditionierung innerhalb des engen physikalischen Parameterfensters der Adhäsivtechnik. Gerade bei Zirkonoxid, dessen Haftmechanismus maßgeblich von einer definierten Retentionsstruktur abhängt, wird diese konstruktive Diskrepanz sichtbar.

Typische Limitationen konventioneller Strahlgeräte sind:

  • Grobstufige Druckeinstellbereiche, die keine präzise Justierung im wissenschaftlich empfohlenen Bereich von 0,6–1 bar ermöglichen
  • Fehlende Definition des Arbeitsabstands (Düse zur Restauration), wodurch der Energieeintrag stark von der individuellen Handführung abhängt
  • Düsenkonstruktionen mit Fokus auf maximalen Abtrag statt auf eine homogene, materialschonende Oberflächentransformation
  • Keine Möglichkeit, den tatsächlichen Energieeintrag auf der Oberfläche zu überprüfen.

Die Adhäsivtechnik verlangt eine Präzision, für die viele klassische Strahlgeräte konstruktiv nie ausgelegt wurden.

Abstrahlen ist ein Systemprozess – kein isolierter Druckwert

Vollkeramiken sind sensible Werkstoffe. Ihre Oberflächen reagieren empfindlich auf Veränderungen des Energieeintrags. Beim Abstrahlen entscheidet daher nicht allein der eingestellte Druck über das Ergebnis. Der Druck ist lediglich eine Variable innerhalb eines komplexen Systems. Unterschiede in der internen Strahlmittelaufbereitung, im Strahlmitteldurchfluss oder in der Düsencharakteristik können dazu führen, dass trotz identischer Druckanzeige unterschiedliche Energiemengen auf die Oberfläche übertragen werden. Hinzu kommen Einflussfaktoren wie Feuchtigkeit im System oder partielle Düsenverengungen, die den Strahlmitteldurchsatz verändern – häufig unbemerkt.

Gleicher Druck heißt nicht gleiche Wirkung. Nicht die Anzeige am Manometer ist entscheidend, sondern die tatsächlich eingebrachte Energie pro Fläche.

Genau an dieser Stelle setzt der BASIC prebonder an. Er überführt das bislang erfahrungsbasierte Abstrahlen in ein konstruktiv definiertes System – unter anderem durch eine kontrollierte Strahlmittelaufbereitung mittels Venturi-Mischkammer, die für einen konstanten und homogenen Strahlmittelfluss sorgt.

Strahlgerät für die Zahnarztpraxis: Der BASIC prebonder auf einen Blick

  • Wissenschaftlich validierter Druckbereich (0,6–1 bar)
  • Konstanter 10-mm-Arbeitsabstand
  • Homogener Strahlkegel ohne Hotspots
  • Stabiler Strahlmittelfluss durch Venturi-Mischkammer
  • Präzise Impulskontrolle durch IS-System
  • Integrierte Energieprüfung via control pad
  • Entwickelt in Zusammenarbeit mit der LMU München
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BASIC prebonder: Vom Strahlgerät zur validierten Systemlösung

Der BASIC prebonder wurde gemeinsam mit der Werkstoffkundeforschung der LMU München entwickelt. Das Ziel: Standardisiertes Abstrahlen von Restaurationen vor der adhäsiven Befestigung.

Das erste wissenschaftlich validierte Feinstrahlsystem für die klinische Oberflächenkonditionierung

Validierter Druckbereich

Ein hochauflösendes Präzisionsmanometer mit sehr feinem Einstellbereich markiert den validierten Arbeitsbereich von 0,6–1 bar. So bleibt der Energieeintrag im wissenschaftlich definierten Fenster.

Kontrolle des Abstands: Prebonder control tip

Der integrierte Abstandshalter gewährleistet konstant 10 mm Distanz zur Oberfläche. Damit wird ein zentraler Fehlerfaktor – das Variieren des Energieeintrags durch Handführung – eliminiert.

Homogener Strahlkegel: Prebonder jet nozzle

Die speziell entwickelte Düse erzeugt einen gleichmäßigen Aufprallkegel ohne Hotspots. Im Fokus steht eine definierte Oberflächentransformation.

Konstanter Strahlmittelfluss: Renfert-Venturi-Mischkammer

Die integrierte Venturi-Mischkammer sorgt für einen homogenen Strahlmittelfluss – unabhängig vom Füllstand des Tanks.

Präzise Impulskontrolle: IS-System (Immediate Stop)

Das IS-System ermöglicht Strahlimpulse ohne Drucknachlauf. So wird verhindert, dass beim Loslassen des Handstücks unkontrolliert Energie nachwirkt.

Integrierte Qualitätssicherung: Prebonder control pad

Mit dem control pad lässt sich innerhalb weniger Sekunden prüfen, ob die Strahlenergie im optimalen Bereich liegt. So werden Druckverlust, verstopfte Düsen oder unzureichender Strahlmittelfluss erkannt, bevor suboptimale Ergebnisse entstehen.

Der richtige Strahlsand für das Abstrahlen vor der adhäsiven Befestigung

Für die adhäsive Vorbehandlung wird ein 50 µm Aluminiumoxid (Al₂O₃) empfohlen. Entscheidend ist nicht nur die Korngröße, sondern auch

  • die enge Korngrößenverteilung,
  • die definierte Partikelform,
  • der hohe Reinheitsgrad und
  • die konstante Materialhärte.

Gröbere Körnungen (z. B. 110 µm) können den Energieeintrag erhöhen und das Risiko einer materialschädigenden Überkonditionierung steigern. Feinere Körnungen erzeugen unter Umständen keine ausreichende Retentionsstruktur.

Der Prebonder surface pro ist ein speziell entwickelter Strahlsand. Für eine reproduzierbare Konditionierung werden 50 µm Aluminiumoxid mit einer Reinheit von über 99,7 % eingesetzt.  Korngeometrie, Härte und Korngrößenverteilung bestimmen, wie die Oberfläche mikrostrukturell verändert wird.

Fazit: Von der Routine zum standardisierten Prozess

Das Abstrahlen von Zirkonoxid vor der adhäsiven Befestigung ist kein Nebenschritt, sondern die Grundlage für einen stabilen Haftverbund. Strahldruck, Abstand, Partikelgröße, Düsencharakteristik und Strahlmittelqualität bestimmen gemeinsam den Energieeintrag und damit die Qualität der Oberflächenkonditionierung.

Wer diese Parameter reproduzierbar kontrolliert, reduziert Variablen im klinischen Workflow. Mit dem BASIC prebonder wird das Abstrahlen im Befestigungsworkflow von einer erfahrungsbasierten Routine zu einem wissenschaftlich validierten, überprüfbaren Prozess. Nicht einfach abstrahlen – „Pre-bonden“.

FAQs: Häufige Fragen zum Abstrahlen von Zirkonoxid

Mit welchem Druck sollte Zirkonoxid sandgestrahlt werden?

Zirkonoxid sollte mit 0,6–1 bar in Kombination mit 50 µm Aluminiumoxid abgestrahlt werden.

Welcher Abstand zur Strahldüse ist ideal?

Ein Abstand von 10 mm zwischen Düse und Oberfläche gewährleistet einen kontrollierten Energieeintrag.

Kann Abstrahlen Zirkonoxid schwächen?

Ja. Ein zu hoher Energieeintrag kann mikrostrukturelle Schäden verursachen und die Biegefestigkeit reduzieren.

Welches Strahlgerät eignet sich für die adhäsive Vorbehandlung?

Ein geeignetes Gerät sollte einen validierten Druckbereich, eine definierte Abstandskontrolle, einen homogenen Strahlkegel und eine überprüfbare Energieabgabe bieten – Eigenschaften, die der BASIC prebonder erstmals in einem System kombiniert.

Welcher Strahlsand sollte verwendet werden?

Empfohlen wird 50 µm Aluminiumoxid mit hoher Reinheit und definierter Korngrößenverteilung, abgestimmt auf validierte Druck- und Abstandsparameter (Prebonder surface)

RIC - Renfert Support