Renfert Polish 3D Anwendung
Oberflächenbearbeitung

FAQs: Häufige Fragen zur Politur von 3D-gedruckten Restaurationen

Da Heike Möllenberg
Apr 23, 2026 | 4 minuti di lettura

Sie möchten aus 3D-gedruckten Restaurationen das Maximum herausholen – von glatter Oberfläche über stabilen Glanz bis zur sicheren Temperaturkontrolle beim Polieren? In unseren FAQs finden Sie praxisnahe Antworten und klare Richtwerte rund um Oberflächenrauheit, Plaque/Biofilm, Layerlinien und den passenden Polierworkflow. 

Warum müssen 3D-gedruckte Restaurationen überhaupt poliert werden?

3D-Druckverfahren erzeugen durch den schichtweisen Aufbau des Objekts charakteristische Layerstrukturen. Diese führen zu Oberflächenrauheiten. Eine korrekte Politur reduziert diese Rauheiten und verringert die Anlagerung von Plaque und Biofilm. Gleichzeitig sorgt eine glatte Oberfläche für eine bessere Farb- und Glanzstabilität der Restauration im klinischen Einsatz.

Welche Oberflächenstrukturen entstehen beim 3D-Druck?

Beim additiven Herstellungsprozess entstehen durch die einzelnen Druckschichten sogenannte Layerlinien. Je nach Drucktechnologie, Schichtstärke und Material können zusätzlich auftreten:

  • Übergänge zwischen Schichtlinien
  • feine Stufenstrukturen (Stair-stepping)
  • Supportkontaktstellen
  • mikroskopische Porositäten

Diese Strukturen sind häufig mit bloßem Auge kaum sichtbar, beeinflussen jedoch die Oberflächenrauheit erheblich und müssen im Rahmen der Nachbearbeitung geglättet werden.

Unterscheidet sich die Politur von Resin- und Filamentdrucken?

Ja; resinbasierte Drucke aus SLA- oder DLP-Verfahren besitzen in der Regel eine feinere Ausgangsoberfläche, während Filamentdrucke (FDM) durch den Materialauftrag deutlich ausgeprägtere Schichtstrukturen zeigen können. Die Ziele und das Vorgehen der Politur bleiben jedoch gleich: Glättung der Oberfläche, Reduktion der Rauheit und Erzeugung eines stabilen Glanzes. Moderne Poliersysteme sind so ausgelegt, dass sie technologieübergreifend für resinbasierte und für filamentbasierte Druckmaterialien eingesetzt werden können und nicht eine rein materialabhängige Nachbearbeitung brauchen.

Warum reicht eine optisch glänzende Oberfläche nicht aus?

Ein kurzfristiger optischer Glanz kann beispielsweise durch Öle entstehen. Dieser Effekt täuscht eine glatte Oberfläche vor, ohne die tatsächliche Oberflächenstruktur dauerhaft zu verändern. Eine echte Politur hingegen reduziert Mikrorauheit der Oberfläche. Dadurch entsteht ein stabiler Langzeitglanz der auch nach Reinigung, mechanischer Belastung oder längerem klinischen Einsatz erhalten bleibt.

Wie sieht ein Polierworkflow für 3D-gedruckte Objekte aus?

Die Oberflächenbearbeitung erfolgt in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten:

  1. Vorpolitur zur Glättung von Layerlinien und Druckartefakten
  2. Politur mit geeigneter Polierpaste zur weiteren Reduktion der Oberflächenrauheit
  3. Glanzpolitur zur Verdichtung der Oberfläche
  4. Hochglanzpolitur für eine stabile, spiegelnde Oberfläche

Durch diesen strukturierten Workflow mit mehrstufigem Poliersystem lassen sich reproduzierbare Ergebnisse unabhängig von Material oder Drucktechnologie erzielen.

Kann eine Individualisierung mit Malfarben vor oder nach der Politur erfolgen?

In der Regel erfolgt eine Individualisierung nach der Vorpolitur. Die Vorpolitur entfernt Druckartefakte und schafft eine gleichmäßige Oberflächenstruktur. Nach dieser Oberflächenvorbereitung lassen sich Malfarben kontrolliert auftragen. Anschließend wird der Polierworkflow mit den weiteren Polierschritten fortgesetzt, um eine glatte und stabile Oberfläche zu erreichen.

Welche Drehzahlen sind beim Polieren von 3D-gedruckten Dentalmaterialien sinnvoll?

Die empfohlenen Drehzahlen hängen vom jeweiligen Polierschritt und dem verwendeten Polierkörper ab. Für das Renfert Polish 3D printed materials starter kit gelten folgende Richtwerte:

  • Vorpolitur mit Prepolish side: ca. 6.000–10.000 U/min
  • Vorpolitur mit Prepolish top: ca. 6.000–10.000 U/min
  • Politur mit Bürstchen und Renfert Polish – 3D-printed materials: ca. 5.000–12.000 U/min
  • Glanzpolitur mit Lederschwabbel: ca. 5.000–10.000 U/min
  • Hochglanzpolitur mit Baumwollschwabbel: ca. 5.000–12.000 U/min

Entscheidend sind dabei ein gleichmäßiger Arbeitsdruck und eine kontrollierte Wärmeentwicklung, insbesondere bei polymerbasierten Materialien wie 3D-gedruckten Resinen oder Filamenten. Zu hohe Drehzahlen oder starker Druck können bei polymerbasierten Materialien zu Reibungswärme und Oberflächenverformungen führen.

Renfert Polish 3D Anwendung

Wie viel Anpressdruck sollte beim Polieren von 3D-Druckobjekten angewendet werden?

Beim Polieren von 3D-gedruckten Dentalmaterialien sollte mit geringem bis moderatem Anpressdruck gearbeitet werden. Ziel ist es, dass der Polierkörper die Oberfläche gleichmäßig bearbeitet, ohne das Material zu überhitzen.

Ein zu hoher Druck kann mehrere Nachteile haben:

  • erhöhte Reibungswärme
  • Schmieren der Polymeroberfläche bei Resinen
  • ungleichmäßige Glanzentwicklung
  • schnellerer Verschleiß der Polierkörper.

Es gilt eine einfache Regel: Der Polierer soll arbeiten – nicht der Druck.

Die Oberfläche wird mit mehreren Polierschritten (Polierprotokoll) schrittweise geglättet, wobei Drehzahl, Werkzeug und Polierpaste aufeinander abgestimmt sind.

Warum ist die Temperaturkontrolle beim Polieren wichtig?

Viele 3D-gedruckte Dentalmaterialien basieren auf polymeren Werkstoffen oder polymergebundenen Hybridmaterialien. Diese reagieren empfindlich auf Wärme. Eine zu hohe Reibungswärme kann zu Oberflächenverformungen, Glanzverlust, Materialschmieren oder mikroskopischen Strukturschäden führen. Daher sollten beim Polieren geeignete Drehzahlen, passende Polierkörper und moderater Druck verwendet werden. Naturmaterialien wie Baumwoll- oder Ziegenhaarbürsten können dabei helfen, die Polierpaste gleichmäßig zu verteilen und gleichzeitig eine übermäßige Wärmeentwicklung zu vermeiden.

RIC - Renfert Support